SANCTUARY – Heilige Orte

SANCTUARY – Heilige Orte
18 Dec 2009 - 31 Dec 2009

JARIK JONGMAN, Gemälde

NINE BUDDE, Film

DJ MIEKO, Musik 


18. bis 20.12.2009


Vernissage

Freitag 18. Dezember 2009

19.00 - 22.00 Uhr in der Kunsthalle m3

 

Ab 20.30 Uhr mit DJ Mieko


After Show Party im

KOOKOO@FARBFERNSEHER

Skalitzer Straße 114, Berlin-Kreuzberg


Ausstellung am Samstag 19. Dezember: 14.00 - 18.00 Uhr und nach Verabredung, 

am Sonntag 20. Dezember und später nur nach Verabredung, Telefon 030 - 53 69 59 91

 


HEILIGE ORTE von Jarik Jongman


Das Bedürfnis nach etwas, das größer ist als wir


Am Anfang steht ein inneres Bild, das von meinem Gehirn allmählich und beharrlich mehr Aufmerksamkeit fordert. Eine Vision möchte greifbar werden, sich hier materialisieren. Die anschließend entstehende Arbeit jedoch ist an sich nicht wichtig, bedeutungslos, weil ihr Sinngehalt nicht eindeutig ist. 

Bedeutung entsteht erst durch Betrachtung. Die Rezipienten kreieren aus ihren jeweiligen Befindlichkeiten heraus eigene Wahrnehmungsmuster. Diese Wahrnehmungsmuster wiederum bestimmen ihre persönliche Realität. Ich zitiere Werner Karl Heisenberg: „Die Wirklichkeit, von der wir sprechen können, ist nie die Wirklichkeit an sich, sondern […] eine von uns gestaltete Wirklichkeit.“


In meinen Bildern finden sich Anspielungen auf religiöse Themen. Dennoch drehen sich meine Arbeiten nicht um Religion oder Glaube. Ich bin mehr an Ritualen und Handlungen interessiert, die von einem Wunsch, einer Notwendigkeit und letztlich von der Illusion herrühren, die Welt und das Leben verändern oder steuern zu können.

Meine Bilder befassen sich mit menschlicher Tragik, dem Versagen an einer unkontrollierbaren, unerklärlichen Welt. Wir sind uns selbst unbekannt, unabhängig ob wir uns für Intellektuelle halten, Wissenschaftler, Hexen oder Zauberer.

Alldieweil wir auf der Suche sind und wir die Macht haben, die allertollsten Dinge zu vollbringen, werden wir belohnt und finden Trost im Unerklärlichen wie im Wunder.



AFTER ALL 2 von Nine Budde


2009, Digital 8 und Super 8, Farbe, 15min.


„After all 2“ zeigt unter anderem die wichtigsten Schauplätze einer Schiffskatastrophe, die sich am 15. Juni 1904 auf dem East River in New York City ereignete. Durch das Dampferunglück, bei dem über 1000 Menschen starben, wurde die damals in New York ansässige deutsche Gemeinde so stark dezimiert, dass sie danach aufhörte zu existieren. Der damit einhergehende kulturelle Gau erschien Nine Budde wie eine Vorwegnahme dessen, was sich 35 Jahre später in Deutschland ereignete. 


Der Film setzt sich aus neu gedrehten Teilen und Archivmaterial zusammen, das Budde in den 90er Jahren in Berlin und New York geschossen hat. Durch die Technik der Collage versucht der Film eine düstere und traumatische Beziehung zu unserem gegenwärtigen Lebensraum herzustellen. 

 


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Das Wort „sanctuary“ bedeuted im Englischen sowohl „heiliger Ort“ wie auch „Asyl“ oder „Schutzgebiet“. Kirchen wurden an Orten errichtet, die aufgrund früherer Ereignisse als geheiligt angesehen wurden, weil dort Wunder geschahen, Märtyrer gewirkt hatten oder begraben worden waren. Menschen, die für Überzeugungen kämpfen, aus Verzweiflung Zeichen setzen und einen gewaltsamen Tod inszenieren oder erfahren, erscheinen in immer neuen Gewändern auf der Weltbühne. 

Eine der Arbeiten meiner aktuellen Ausstellung zeigt eine Personengruppe, die durch eine zerstörte Kirche auf den Betrachter zu läuft. Die Szene erinnert an die Bilder des 11. September 2001, an Menschen, die vor der Staubwolke und dem Ascheregen der einstürzenden Türme des WTC in New York flüchten. In dem Gemälde „In dust and ashes we repent“ ist dies unausweichliche Desaster verschärft dargestellt. Der vermeintliche Zufluchtsort, hier eine Kirche, droht einzustürzen. Die einzige Chance das eigene Leben zu retten, besteht darin, aus der Gefahrenzone zu flüchten. Doch einen wirksamen Schutz gegen Widrigkeiten solcher Art gibt es nicht. In Kriegen sind auch Kirchen und Heiligtümer vor Zerstörung nicht sicher. 

Eines der Heiligtümer des Kapitalismus wurde vor acht Jahren von selbsternannten Märtyrern dem Erdboden gleich gemacht. Nicht wenige fragen sich nun, wer oder was das Weltkulturerbe Europas mit seinen bis dato schwer erkämpften und verteidigten jüdisch-christlichen Wert- und Moralvorstellungen vor den zersetzenden Angriffen der Mächte der Finsternis schützen könnte.


Am anderen Ende der Vernichtungsskala steht die industrielle Tierproduktion, die ebenso effizient arbeitet, wie ein Tierheim es sollte, das allerdings ausschließlich dem Schutz der Kreatur dient. 

Tiermotive sind ein wichtiger Bestandteil meiner Ausstellung. Sie mögen den Besucher assoziativ in metaphysische Gefilde leiten. Auch ohne Vermenschlichung und ohne Trance müsste es möglich sein, mehr über andere Lebewesen und damit uns selbst zu erfahren.


Die „Idee des Anbetungswürdigsten“ lässt sich auch auf Museen und Ausstellungsräume für Kunst beziehen. Der Kunstliebhaber begehrt Kunstwerke, reflektiert ihre Formen, Geschichten, Inhalte, möchte sie erkunden, berühren, behandelt sie wie Reliquien, und sei es, um mit dem Geiste des begnadeten Schöpfers Kontakt aufzunehmen. Direktoren und Kuratoren solcher Kunsträume sind die Hohepriester dieser individualistischen Religion.

 


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