Kunst zieht an und nicht aus! 23.10.2014

Berliner Atelierhäuser in Bedrängnis     23.10.2014

Die Abkürzung AbBA steht für Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser und bündelt 8 Atelierhausstandorte in einem gemeinsamen Netzwerk. AbBa wurde vor drei Wochen gegründet, um den zunehmenden Ateliernotstand in Berlin zu bekämpfen. Die Gründungsmitglieder sind die Atelierhäuser:

• an der Mengerzeile 1-3 (mit 38 KünstlerInnen)
• am Erkelenzdamm 11-13 (mit 19 KünstlerInnen und 2 ArchitektInnen)
• im Schultheiß-Quartier (mit 30 KünstlerInnen)
• in der Köpenickerstr. 36 (mit mit 70 KünstlerInnen, darunter Filmemacher, Autoren, Musiker, Theaterleute, etc.)
• an der Prenzlauer Promenade 149-152 (mit ca. 80 Künstlern)
• in der Palisadenstraße 89 (mit ca. 50 KünstlerInnen)
• in der Gerichtstraße 12/13 (mit mehr als 70 KünstlerInnen)
• in der Klosterstraße 44 (Künstleragenturen und andere kulturelle Einrichtungen)

Vier der traditionellen Atelierstandorte, die zum Teil schon seit über 20 Jahren als solche genutzt werden, wurden von privaten Eigentümern bereits gekündigt, darunter die Ateliergemeinschaft am Erkelenzdamm, die Ende Dezember ihre Räume verlassen muss oder das Atelierhaus in der Köpenickerstraße. Der Grund ist der Verkauf der Gebäude - wie so häufig, wenn Immobilien durch die Standortveränderung im Wert steigen. Auch das Atelierhaus POSTOST in der Palisadenstraße wurde an einen amerikanischen Investmentfonds verkauft, obwohl die Mietverträge noch nicht gekündigt wurden, befürchten die Künstler nichts Gutes.
Aber auch die anderen Standorte sind in ihrer Existenz bedroht oder werden an der "kurzen Leine geführt" wie beispielsweise die Gerichtshöfe, die keine langfristigen Mietverträge mehr erhalten und deren bisherige, gut funktionierende Kommunikation mit der GESOBAU AG als Vermieter plötzlich, ohne ersichtlichen Grund, ins Stocken gerät. Oft existieren sowieso keine langfristigen Mietverträge, sondern lediglich Zwischennutzungsverträge, die jederzeit kündbar sind.

Dass Berlin von seinen Künstlern profitiert und es einen Imageschaden für die Stadt bedeuten würde, müssten die Künstler an den Stadtrand ziehen, wissen auch die Politiker. Dennoch muss ein Umdenken stattfinden, das nicht nur in eine der üblichen Debatten vom "armen Künstler" und der "bösen Politik" mündet, sondern das weiterführende Strukturen zugrunde legt, auf denen langfristige Modelle entwickelt werden. Konkret heißt das zum Beispiel, dass - und hier ist die Politik gefragt - Kultur bereits in den Bebauungsplänen mitgedacht werden müssen. Oder, dass Leerstand über Jahre hinweg auch kein befriedigender Zustand ist, den der Gesetzgeber hinnehmen muss.
Insofern ist eine Initiative wie AbBA für den Kunststandort genau richtig.

Seit gestern gibt es eine Website, die über aktuelle Veranstaltungen informiert: abbanetzwerk.tumblr.com/

13.06.2014 - Berliner Woche/ Heimat für Kunst Atelierhaus Mengerzeile feiert Geburtstag von Ralf Drescher

http://www.berliner-woche.de/nachrichten/bezirk-treptow-koepenick/alt-tr...

Alt-Treptow. Die alte Pianofabrik, zu DDR-Zeiten eine Außenstelle des VEB Deutsche Schallplatte, ist seit 20 Jahren ein Atelierhaus für Künstler. Am 29. Juni wird das Jubiläum zünftig gefeiert.

Bis zur Wende 1989 stand das über 100 Jahre alte Gebäude direkt an der Mauer im Grenzgebiet. Zutritt hatte nur, wer in der Außenstelle der Schallplattenfirma beschäftigt war. Mit dem Ende der DDR verschwand das Unternehmen und das Haus stand leer.

"Künstler haben das Gebäude auf der Suche nach bezahlbaren Arbeitsräumen dann für sich entdeckt", erzählt Constanze Suhr, die ein Buch über die 20-jährige Geschichte des Atelierhauses geschrieben hat. Bald gab es einen ordentlichen Mietvertrag und die ersten zogen ein. Bis 1997 von der Atelier GmbH, einer Einrichtung des Berliner Künstlerverbands, betrieben, haben die Mieter inzwischen die Verwaltung in eigene Hände genommen. Rund 40 Künstler haben im Haus ihre Werkstätten und Ateliers, darunter Maler, Grafiker, Bildhauer und Projektkünstler. Eine von ihnen ist Eva Noack (36). Die gebürtige Cottbuserin hat an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert. Sie arbeitet seit drei Jahren an der Mengerzeile, dort entstehen ihre teilweise düster-nachdenklichen Bilder in Öl oder Acryl. Ihre Kollegin Kate Hers stammt aus den USA, sie ist erst vor drei Monaten eingezogen. Die Amerikanerin mit südkoreanischen Wurzeln will von hier aus ihre Projekte starten. Sie hat unter anderem Kunst aus Schaumküssen geschaffen.

 

 

 

2014_ Prominente Besucher auf unserem Sommerfest am 05.07

Das Atelierhaus Mengerzeile feierte am 5. Juli 2014 sein 21-jähriges Bestehen. Herr Gregor Gysi und Herrn Staatssekretär Tim Renner ( Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten - ) und Christophe Knoche gratulierten.

Einige haben es vielleicht schon aus der Presse oder der Abendschau erfahren: Im nächsten Jahr werden wir wohl unser Atelierhaus räumen und uns neue Arbeitsplätze suchen müssen. Wir möchten zu unserem vermutlich letzten Sommerfest mit allen, die uns wohlgesinnt sind, gemütlich grillen, reden und diesen für uns so kostbaren Flecken Erde genießen.

2014_ Berliner Abendblatt - Bedrohte Kunst in Alt-Treptow - 05.07.14

Verdrängung: Atelierhaus Mengerzeile sucht einen neuen Standort

Das Atelierhaus Mengerzeile feiert am 5. Juli sein 21-jähriges Bestehen. Wenn es nach den neuen Eigentümern ginge, müssten die 40 Künstler an diesem Tag ihre Sachen packen.

Bereits Anfang 2013 bekundeten sie ihr Interesse am Kauf des Hauses. Sie führten Gespräche mit der Stiftung Edith Maryon, der GLS-Bank und einer Wohnungsbaugenossenschaft. Dann verstarb die Eigentümerin und die Verhandlungen mit der Erbengemeinschaft nahmen ein jähes Ende. Trotz des dem handelsüblichen Verkehrswert entsprechenden Kaufangebots seitens der Mieter. „Bis heute blocken sie jeden Kontaktversuch ab. Dabei war es ein ausdrücklicher Wunsch der alten Dame, dass das Atelierhaus erhalten bleibt“, berichtet Eva Noack, Vorstandsmitglied des Vereins Mengerzeile. Im Januar dieses Jahres flatterte die Kündigung ins Haus. Deren Frist endet an diesem Samstag. Über einen Anwalt haben die Bewohner Widerspruch eingelegt.

Politisches Versagen. Bernhard Kotowksi, Geschäftsführer des Berufsverbandes bildender Künstler Berlin (bbk berlin), sieht wenig Hoffnung für das Haus: „Der Verlust dieses außenwirksamen Kulturstandortes wäre eine Katastrophe.“ In Oberschöneweide gebe es noch bezahlbare Flächen, doch die Gentrifizierung erfasse zunehmend den Bezirk. „Es ist kein kulturpolitisches, sondern ein gesamtpolitisches Versagen des Landes“, sagt er. Seit 15 Jahren habe der Senat keine Stadtentwicklungspolitik betrieben und mit dem hemmungslosen Verkauf von Landesimmobilien den Spekulationsprozess angefeuert: „Erst ist es die Verdrängung von Kunst und Kultur. In zehn Jahren werden in Treptow-Köpenick nur noch Besserverdienende leben.“ Für den Senat gebe es nur eine Option: eine landeseigene Fläche für das Atelierhaus Mengerzeile. Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) haben sie auf ihrer Seite. Er hat sich schriftlich an die Eigentümer gewandt. Bislang gebe es noch keine Antwort, bestätigt

das Bezirksamt.

Die Künstler wollen nach wie vor kaufen, sei es privat oder öffentlich. Ideal wäre ein Objekt mit bis zu 3.000 Quadratmetern innerhalb des S-Bahn-Rings. Florian Schmidt, Atelierbeauftragter des bbk berlin, winkt ab: „Der Ateliernotstand in der Innenstadt ist so stark, dass die Künstler gezwungen sind, in die Außenbezirke abzuwandern.“ Deshalb stehen für die Künstler auch Tempelhof, Oberschöneweide, Lichtenberg und Marzahn zur Debatte: „Der Verein ist eine gewachsene Struktur aus internationalen Künstlern. Wir wollen zusammenbleiben“, sagt Vorstandsmitglied Karsten Krause. Gerade läuft die Zusammenarbeit mit den Quartiersmanagements an. Selbst eine leerstehende Schule wäre eine ziemlich gute Option, denn „sollte die Kündigung der Erbengemeinschaft ungültig sein, kann der Vermieter im Dezember erneut kündigen. Im Juni 2015 hätten wir wieder das

gleiche Problem“.

Trotz der ungewissen Lage lädt das Künstlerhaus an diesem Samstag zum Sommerfest. Ab 17 Uhr können sich Anwohner über die Zukunft des Kulturstandortes informieren und eine Ausstellung besuchen.

Josephine Klingner / Bild: Josephine Klingner

http://www.abendblatt-berlin.de/2014/07/05/bedrohte-kunst-in-alt-treptow/